Ein Geschichtlicher Überblick

1286

Ausgerechnet einem Streit ist die erste urkundliche Erwähnung Scheurens zu verdanken: In Scuren, so hieß Scheuren damals, bekommen die Beginen Beatrix und Sophia Streit mit ihrer Schwester Irmentrudies, ebenfalls eine Begine. Zum Verdruß der Schwestern hatte sie verfügt, dass ihr Haus nach ihrem Tode an die Zisterzienserabtei Heisterbach fallen sollte. Die Heisterbacher Mönche waren damit einverstanden, dass ein Schiedsgericht die Sache entscheide. In der Urkunde zum Urteil wird „Scuren“ erstmals erwähnt. Die Historiker sind sich einig, dass Scuren schon lange vor diesem Streitfall bestand.

1449

Der Kölner Erzbischof ist knapp bei Kasse und braucht dringend Geld. Kurzerhand verpfändet er unter anderm auch Unkel und Scheuren an den Grafen von Nassau.

1475

Karl der Kühne von Burgund bemächtigt sich Lothringens. Es bricht der „Burgundische Krieg“ aus. Und was hat der damalige Scheurener damit zu tun? Herzlich wenig. Trotzdem verwüsten und besetzen kaiserliche Truppen im Zuge dieses Krieges auch seinen Heimatort Scheuren.

1500

Irgendwer lässt die Scheurener Kapelle erbauen. Nicht eine einzige Urkunde nennt seinen Namen.

1583

Der „Kölner Krieg“ war entbrannt, weil Gebhard, Kurfürst und Erzbischof von Köln aus dem Hause der Truchsesse von Waldburg, 1582 zur reformierten Kirche übergetreten war, die Gräfin Agnes von Mansfeld geheiratet hatte und trotzdem in Köln Fürst bleiben wollte. In diesem Krieg wurde Unkel erfolglos belagert, in Scheuren brannte die Kapelle ab.

1633

Der 30jährige Krieg tobt. Schwedische Truppen besetzen Scheuren, „verbrennen, brechen Häuser ab und plündern den Ort“.

1664

Vor 16 Jahren endete mit dem Westfälischen Frieden der 30jährige Krieg. In diesem Jahr zieht jemand Bilanz: Scheuren besteht aus 34 Häusern und hat ungefähr 170 Einwohner.

1666

Die Pest wütet. Sie rafft einen großen Teil der Einwohner dahin. Wegekreuze erinnern an diese schlimme Zeit. Am Hochaltar der Scheurener Kapelle, 34 Jahre später, die Pestheiligen Sebastian und Rochus.

1683

Der Vikar Gottfried Eschenbrender will Pastor von Unkel werden. Um dieses Ziel zu erreichen, lässt er zunächst einmal seine Vikariatsstellte wieder aufbauen: Die Scheurener Kapelle.

1700

Ein reicher Bürger, Johann Franz Neffgen, mehr ist über ihn nicht bekannt, stiftet den Hochaltar der Scheurener Kapelle.

1761

Es meldet sich der Fortschritt: Eine (Saug-) Pumpe ersetzt die bisherige Pütz, einen simplen Ziehbrunnen.

1790

Scheuren hat jetzt schon 51 Häuser und 265 Einwohner.

1794

Die Revolutionskriege bringen schwierige Zeiten. Preußen und Österreich kämpfen gemeinsam gegen die Französische Revolution. Österreichische Truppen fordern Lebensmittel für ihre Soldaten, Stroh und Hafer für die Pferde.  1795 kommen von Remagen und Oberwinter die Franzosen. Sie klauen den 1794er Wein, erzwingen Beköstigung, erpressen Gelder. Kaum sind die Franzosen weg, kommen die Österreicher wieder und verlangen: siehe oben..

1803

Vor zwei Jahren haben Österreich und Frankreich miteinander Frieden geschlossen. Frankreich reicht jetzt bis zum linken Rheinufer. Um die deutschen Fürsten der linken Rheinseite zu entschädigen, fasst man den Reichsdeputations-Hauptschluss. Das geistliche Kurfürstentum Köln wird aufgelöst. Unkel und auch Scheuren kommen unter die Herrschaft von Nassau-Usingen.

1806

Die Franzosen enteignen die geistlichen Besitztümer.

1812

Ein eifriger Zensor hat gezählt und festgehalten, dass es in Scheuren drei Backöfen gibt: Einer gehört dem Korfs Pantaleon, einer dem Korfs Gottfried und einer dem Vorsteher Euskirchen.

1815

In Wien klüngelt und tanzt der Kongress. Es passiert das Unsäglich: Die Rheinlande fallen an Preußen. Sehr problematisch, denn die Rheinländer sprechen eine Sprache, die kein Preuße versteht. Da die Rheinländer außerdem allesamt Katholiken sind, haben die Preußen schon zwei gute Gründe, den neuen Landeskindern gegenüber sehr misstrauisch zu sein.

1817

In der Bürgermeisterei Unkel (früher Amt Unkel genannt, heute Verbandsgemeinde Unkel) wird Scheuren eine eigene Gemeinde mit Ortsvorsteher und Gemeinderat.

1849

Scheuren hat 277 Einwohner, ist also seit 1790 kaum gewachsen.

1870

Unkel-Scheuren bekommt einen Bahnhof. Nach einiger Überlegung entschloss man sich, ihn der Einfachheit halber nur Bahnhof Unkel zu nennen.

1891

Scheuren erhält eine Wasserleitung. Der Wasserverbrauch war allerdings schon wegen des „Wasserzinses“ sehr sparsam.

1901

Die Scheurener gründen den St.-Josephs-Bürgerverein – seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass in der Kapelle Gottesdienst gefeiert werden kann. Außerdem hat er für einen ordentlichen Kirmesmontag zu sorgen.

1902

Scheuren hat 286 Einwohner, ist also in den letzten 50 Jahren kaum gewachsen.

1907

Die Scheurener geben ihre politische Selbständigkeit auf und lassen sich mit Unkel „vereinigen“. Sie versprechen sich davon einige Vorteile.

1913

In Unkel und Scheuren gehen die ersten Glühlampen an. 38 elektrische Straßenlaternen genügten 1918. Im übrigen waren es zunächst nur die herrschaftlichen Villen und einige Geschäftsleute, die sich den Luxus des elektrischen Lichtes leisteten.

1914 – 1918

Der Erste Weltkrieg fordert seine Opfer.

1932

Eine neue „Umgehungsstraße“ hält den Straßenverkehr aus Scheuren heraus. Die Umgehungsstraße war die B42 bis zur heutigen Ampelkreuzung Siebengebirgsstraße/B42. Der Verkehr lief dann über die Siebengebirgsstraße und Honnefer Straße (B42 alt) in Richtung Rheinbreitbach.

1942

Der muß seine beiden Glocken abgeben, sie werden zum Krieg eingezogen. Friedliches Geläut wird zu Munition umgeschmolzen. Als Ersatz kommt das „Armsünder-Glöckchen“ von Unkel nach Scheuren.

1945

Am 8. und 9. März geht für die Scheurener der Zweite Weltkrieg zu Ende. Es kommt zu dramatischen Szenen, da sich Reste der deutschen Armee in Scheuren verschanzt haben. Die Scheurener geloben, ein Kreuz zu errichten.

1968

Der wird restauriert.

1985

Unter Federführung des St. Joseph-Bürgervereins gestalten die Scheurener ihren Domplatz neu.

1986

700 Jahre Scheuren. Dank den Scheurener Beginen, deren Streit 1286 Scheuren erstmalig aktenkundig werden ließ.

1993

Scheuren feiert sein erstes historisches Domfest, das mittlerweile weithin einen guten Ruf genießt.

1997

Fast 2000 Einwohner zählt Scheuren. Seit der Statistik aus dem Jahre 1902 ein Wachstum von 700 Prozent!

2001

Der St.-Joseph-Bürgerverein Scheuren feiert sein hundertjähriges Bestehen. Dank glücklicher Umstände kann er an der Siebengebirgsstraße ein Wegekreuz errichten.

2011

725 Jahre Scheuren. Scheuren feiert sein letztes historisches Domfest.

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